Bausparvertrag Nachteile: Kosten, Wartezeit und was wirklich dagegen spricht

Inhaltsverzeichnis

Von Salomon Davin, Diplom-Kaufmann, Geschäftsführer und Berater bei Baufivergleich.de in Kassel, Lizenzen nach § 34i und § 34c GewO, zertifizierter Immobilienverwalter IHK.

Die größten Nachteile eines Bausparvertrags sind eine Abschlussgebühr von 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, ein Guthabenzins von oft nur 0,1 Prozent pro Jahr, ein Zuteilungstermin, den dir keine Bausparkasse verbindlich zusagt, und eine strenge Bindung an wohnwirtschaftliche Zwecke. Kombinierst du den Vertrag mit einer sofortigen Vorfinanzierung, kommt der teuerste Punkt dazu: In unserem Rechenbeispiel mit 300.000 Euro Bausparsumme kostet allein die tilgungsfreie Phase 39.897 Euro mehr als ein klassisches Annuitätendarlehen.

Wir rechnen diese Konstellation in der Beratung mehrmals im Monat durch, und fast immer scheitert sie an derselben Stelle. Dieser Artikel geht die Nachteile der Reihe nach durch, mit Zahlen statt Schlagworten. Ob und wann sich ein Bausparvertrag trotzdem lohnt, beantworten wir ausführlich in „Bausparen sinnvoll? Die ehrliche Rechnung“. Hier geht es bewusst um die Kehrseite.

Was spricht gegen einen Bausparvertrag?

Gegen einen Bausparvertrag sprechen vor allem acht Punkte, die bei fast jedem neuen Vertrag auftauchen:

  • Abschlussgebühr: 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, einmalig fällig, meist mit den ersten Sparraten verrechnet.
  • Guthabenzins nahe null: aktuell oft 0,1 Prozent pro Jahr, laut Verbraucherzentrale wirtschaftlich also nichts.
  • Negative Rendite in der Sparphase: Gebühr und Mini-Zins zusammen ergeben über Jahre ein Minus.
  • Ungewisser Zuteilungstermin: verbindlich zusagen kann ihn keine Bausparkasse, solange der Vertrag nicht zuteilungsreif ist.
  • Geld nicht frei verfügbar: vor der Zuteilung kommst du an dein Guthaben nur heran, wenn du Ansprüche oder Förderung aufgibst.
  • Wohnwirtschaftliche Zweckbindung: das Bauspardarlehen darfst du nur für Bau, Kauf, Sanierung oder Renovierung einsetzen.
  • Bausparsumme reicht selten allein: für einen kompletten Immobilienkauf brauchst du fast immer zusätzlich ein Bankdarlehen.
  • Tilgungsfreie Vorfinanzierung: wer sofort finanziert, zahlt jahrelang nur Zinsen auf die volle Summe und tilgt nichts.

Wie viel Geld an den einzelnen Stellen verloren geht, steht in den folgenden Abschnitten.

Welche Kosten und Gebühren fallen beim Bausparvertrag an?

Beim Bausparvertrag fällt einmalig eine Abschlussgebühr von 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme an, dazu bei manchen Tarifen jährliche Service- oder Kontoentgelte. Bei 300.000 Euro Bausparsumme sind das 3.000 bis 4.800 Euro, fällig bevor auch nur ein Euro für dich arbeitet. Die genaue Höhe steht in den Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge, die du bei Vertragsabschluss bekommst.

Je nach Bausparkasse, etwa bei LBS, Schwäbisch Hall oder Wüstenrot, liegt die Gebühr in unseren Angebotsvergleichen an unterschiedlichen Stellen dieser Spanne und wird unterschiedlich verrechnet. Der Unterschied ist kein Detail: 1,0 statt 1,6 Prozent spart bei 300.000 Euro Bausparsumme 1.800 Euro.

Die Verbraucherzentrale ordnet die Abschlussgebühr klar ein: Es handelt sich im Kern um eine Provision, die die Bausparkasse an den Vermittler zahlt, und sie liegt meist bei mindestens 1 Prozent der Bausparsumme (Stand 07.05.2024). Dazu kommen laufende Entgelte für die Kontoführung. Wichtig dabei: Nicht alle dieser Entgelte sind zulässig, ein Teil davon wurde von Gerichten kassiert, und zu Unrecht gezahlte Kontogebühren kannst du zurückfordern.

Diese Kosten tauchen im beworbenen Effektivzins des Bauspardarlehens nicht vollständig auf, und genau daran scheitern die meisten Vergleiche. Stell deshalb nie den Bauspardarlehenszins neben den Zins einer Baufinanzierung, sondern den Gesamteffektivzins über beide Phasen.

Hand wirft eine Euromünze in ein Sparschwein als Symbol für Abschlussgebühr und niedrigen Guthabenzins beim Bausparvertrag

Wie niedrig ist die Rendite in der Sparphase wirklich?

Die Rendite in der Sparphase ist laut Verbraucherzentrale meist negativ: Ein neuer Bausparvertrag ist in dieser Phase ein Verlustgeschäft, keine Geldanlage. Die Verbraucherzentrale rechnet es an einem kleinen Vertrag vor: Bei 10.000 Euro Bausparsumme, 50 Euro Sparrate im Monat und 0,1 Prozent Guthabenzins erwirtschaftest du in 8,5 Jahren genau 21,94 Euro Zinsen. Fällig waren zu Beginn 100 Euro Abschlussgebühr (Stand 10.11.2025).

Rechne das auf eine realistische Finanzierungssumme hoch, und aus 21,94 Euro werden ein paar hundert Euro Zinsertrag, denen mehrere tausend Euro Gebühr gegenüberstehen. In unserem Beispiel mit 300.000 Euro Bausparsumme sind es 496 Euro Guthabenzinsen gegen 4.800 Euro Abschlussgebühr.

Es gibt einen Ausgleich, aber nur für einen kleinen Kreis. Die Wohnungsbauprämie beträgt nach § 3 Abs. 1 Wohnungsbau-Prämiengesetz 10 Prozent der prämienbegünstigten Aufwendungen, höchstens auf 700 Euro im Jahr, bei Ehegatten auf 1.400 Euro. Die Einkommensgrenze liegt laut § 2a WoPG bei 35.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, bei Ehegatten bei 70.000 Euro. Wer darüber liegt, bekommt nichts, und für den bleibt die Sparphase unrentabel.

Bleibt die Frage, was der günstige Bauspardarlehenszins am Ende wirklich kostet. Die Verbraucherzentrale rechnet den jahrelangen Zinsverzicht als Kosten in das Darlehen ein und kommt zu dem Ergebnis, dass aus einem beworbenen Darlehenszins je nach Fall effektiv deutlich über 5 Prozent werden.

Wie flexibel ist das Guthaben vor der Zuteilung?

Vor der Zuteilung ist dein Bausparguthaben praktisch blockiert: Du kommst nur heran, indem du kündigst und damit deine Ansprüche und meist auch die staatliche Förderung verlierst. Das ist der Unterschied zu einem Tagesgeldkonto, und er wird im Verkaufsgespräch selten betont.

Im Alltag merkst du das an vier Stellen:

  • Sondertilgung in der Sparphase ist gesperrt. Zusätzliches Geld kannst du vor der Zuteilung in aller Regel nicht einsetzen, um die Restschuld zu senken. Erst in der Tilgungsphase des Bauspardarlehens sind Sondertilgungen üblich und dann meist unbegrenzt.
  • Beitragsfreistellung kostet Zeit, nicht nur Geld. Setzt du die Sparraten aus, wächst das Guthaben nicht weiter, die Zuteilungsreife rückt nach hinten, und bei einer Vorfinanzierung verlängert sich damit genau die teure tilgungsfreie Phase.
  • Die Teilung des Vertrags löst das Problem nur halb. Einen Bausparvertrag zu teilen, um einen Teil früher zu nutzen, ist bei vielen Tarifen möglich, ändert aber nichts an Abschlussgebühr und Guthabenzins und kann den Darlehensanspruch verkleinern.
  • Die Zweckbindung schränkt die Verwendung ein. Das Bauspardarlehen ist an eine wohnwirtschaftliche Verwendung geknüpft, also an Renovierung, Sanierung oder Wohnungsbau. Ein Auto, eine Umschuldung oder eine Kapitalanlage außerhalb des eigenen Wohnens lassen sich damit nicht finanzieren.

Wie lange dauert die Zuteilung, und was passiert bei Verzögerung?

Verbindlich ist der Zuteilungstermin nicht. Solange der Vertrag nicht zuteilungsreif ist, sind alle Angaben der Bausparkasse Schätzungen, und das Auszahlungsdatum kann sich verschieben. Üblich sind 8 bis 14 Jahre bis zur Zuteilung, in unseren beiden Rechenbeispielen sind es 8 Jahre und 4 Monate.

Ob dein Vertrag zugeteilt wird, hängt nicht nur an dir. Es hängt an der Bewertungszahl und an der Zuteilungsmasse der Bausparkasse, also daran, wie viel Geld gerade im Topf ist. Wenn die Zinsen steigen und viele Bausparer gleichzeitig ihr günstiges Bauspardarlehen abrufen wollen, musst du laut Verbraucherzentrale mit einer deutlich späteren Zuteilung rechnen als heute unverbindlich in Aussicht gestellt.

Für eine Sofortfinanzierung ist genau das der gefährlichste Punkt:

  • Steht im Vorausdarlehen ein festes Ablösedatum, das vor der tatsächlichen Zuteilung liegt, brauchst du eine Zwischenfinanzierung, zu Zinskonditionen, die heute niemand kennt. Die beworbene Zinssicherheit über die gesamte Laufzeit ist damit hinfällig. Umgehen lässt sich das nur mit einem Zins, der ausdrücklich „fest bis Zuteilung“ vereinbart ist.
  • Reicht dein Guthaben nicht für die Zuteilungsreife, üblich sind 40 Prozent der Bausparsumme, entsteht eine Refinanzierungslücke, die wieder mit einer eigenen Anschlussfinanzierung geschlossen werden muss. Manche Bausparkassen bieten dann eine Teilzuteilung an, die weitere Risiken mitbringt.
  • Die Rate kann sich ändern. Verlange einen kompletten Zahlungsplan über beide Phasen, nicht nur die erste Monatsrate. Nur wenn Rate, Darlehensbetrag und Laufzeit feststehen, sind zwei Angebote über den Effektivzins überhaupt vergleichbar.
Hausmodell neben Wecker und Klemmbrett auf einem Tisch als Symbol für die Wartezeit bis zur Zuteilung des Bausparvertrags

Was passiert mit einem Bausparvertrag nach 10 Jahren?

Zehn Jahre nach der Zuteilung darf die Bausparkasse den Vertrag kündigen, das hat der Bundesgerichtshof entschieden. In der Praxis kommt es meist früher dazu: Bei den üblichen Tarifen erreicht das Guthaben durch die Regelsparbeiträge schon rund 17 Jahre nach Vertragsschluss die volle Bausparsumme. Dann ist der Vertragszweck erfüllt, und die Bausparkasse darf ebenfalls kündigen.

Praktisch heißt das: Ein gut verzinster Altvertrag ist kein Sparbuch, das du beliebig lange liegen lassen kannst. Und ein neuer Vertrag, bei dem du noch nicht weißt, ob und wann du das Darlehen brauchst, kostet dich die Abschlussgebühr für eine Option, die dir am Ende gekündigt werden kann.

Ein zweiter Punkt trifft alle, die das Darlehen später abrufen als geplant: Die Bausparkasse kann auch nach der Zuteilung auf den Regelsparbeiträgen bestehen. Je länger sich das hinzieht, desto mehr Guthaben liegt im Vertrag und desto kleiner wird dein Darlehensanspruch.

Warum wird die Bausparvorfinanzierung teurer als ein Annuitätendarlehen?

Die Bausparvorfinanzierung wird teurer, weil beim Annuitätendarlehen die Restschuld ab dem ersten Monat sinkt, während sie bei der Vorfinanzierung bis zur Zuteilung in voller Höhe stehen bleibt. Ein Annuitätendarlehen nach § 488 BGB verrechnet jede Rate aus Zins und Tilgung, der Zinsanteil sinkt Monat für Monat. Die Vorfinanzierung zahlt in Phase 1 nur Zinsen auf die volle Summe, das Geld fließt parallel in den Bausparvertrag statt in die Tilgung.

Rechtsgrundlage ist das Bausparkassengesetz. § 1 Abs. 2 BauSparkG regelt den Rechtsanspruch auf das Bauspardarlehen nach Leistung der Bauspareinlagen, § 1 Abs. 5 definiert die Zuteilung als Bereitstellung von Guthaben und Darlehen aus der Zuteilungsmasse, § 1 Abs. 8 nennt die Zeit bis dahin „Wartezeit“. Diese Wartezeit ist der teure Teil.

Die Verbraucherzentrale formuliert es noch direkter: Ein endfälliges Darlehen ohne regelmäßige Tilgung verursacht über die Laufzeit höhere Zinsen als ein Darlehen mit Tilgung. Und Banken vermitteln diese Konstruktion gern, weil sie doppelt daran verdienen, einmal an der Provision für den Bausparvertrag und einmal an der höheren Zinsmarge, weil eben nicht getilgt wird.

Beispiel 1: 300.000 Euro Bausparsumme, 10 Jahre Zinsbindung

Ausgangswerte, gerechnet mit unserem Bausparfinanzierungscheck: Sollzins Annuitätendarlehen 3,80 Prozent, Zins des Vorausdarlehens 4,30 Prozent, Abschlussgebühr 1,6 Prozent, Guthabenzins 0,10 Prozent, Bauspardarlehenszins 2,50 Prozent, Sparbeitrag 4 Promille der Bausparsumme, also 1.200 Euro im Monat. Beide Varianten starten mit derselben Monatsrate von 2.275 Euro, sonst wäre der Vergleich unfair. Bis zur Zuteilung vergehen 8 Jahre und 4 Monate.

PositionBetrag
Abschlussgebühr Bausparvertrag (1,6 % von 300.000 €)+ 4.800 €
Vorfinanzierungs-Zinsen bis Zuteilung+ 107.500 €
− vergleichbare Annuitäts-Zinsen im selben Zeitraum− 71.907 €
− erhaltene Guthabenzinsen aus dem Bausparvertrag− 496 €
Effektiver Nachteil der Vorfinanzierungsphase+ 39.897 €

Dazu kommt eine Tilgungslücke von 35.097 Euro. Zum Zuteilungszeitpunkt steht beim Annuitätendarlehen noch eine Restschuld von 144.407 Euro, beim Bauspardarlehen dagegen 179.504 Euro, weil in Phase 1 nichts getilgt wurde. Über die gesamte Laufzeit bleibt die Bausparvariante trotz des günstigeren Bauspardarlehenszinses von 2,50 Prozent teurer: 428.617 Euro Gesamtkosten gegen 391.698 Euro, ein Mehrbetrag von 36.919 Euro. Schuldenfrei bist du ein Jahr und zwei Monate später.

Liniendiagramm zeigt Bausparvertrag Nachteile: Die Restschuld beim Annuitätendarlehen sinkt ab Monat 1 auf 144.407 Euro, bei der Bausparvorfinanzierung bleibt sie bis zur Zuteilung nach 8 Jahren und 4 Monaten bei vollen 300.000 Euro stehen

Beispiel 2: 450.000 Euro Bausparsumme, 15 Jahre Zinsbindung

Gleiche Konditionen, größere Summe: Sollzins 3,95 Prozent für die Annuität, 4,45 Prozent für das Vorausdarlehen, gemeinsame Monatsrate 3.469 Euro. Die Vorfinanzierungsphase dauert wieder 8 Jahre und 4 Monate, weil sie nicht an der Zinsbindung hängt, sondern am Sparbeitrag und am Mindestguthaben.

PositionBetrag
Abschlussgebühr Bausparvertrag (1,6 % von 450.000 €)+ 7.200 €
Vorfinanzierungs-Zinsen bis Zuteilung+ 166.875 €
− vergleichbare Annuitäts-Zinsen im selben Zeitraum− 111.963 €
− erhaltene Guthabenzinsen aus dem Bausparvertrag− 745 €
Effektiver Nachteil der Vorfinanzierungsphase+ 61.368 €

Weil die Rate hier so gewählt ist, dass sie der Bauspar-Belastung in Phase 1 entspricht, ist das Annuitätendarlehen bereits nach 14 Jahren und 2 Monaten komplett getilgt, ganz ohne Anschlussfinanzierung. Die Bausparvariante braucht 15 Jahre und 5 Monate und kostet mit 648.077 Euro gegenüber 587.844 Euro rund 60.233 Euro mehr.

Beide Beispiele zeigen dasselbe Muster: Der Nachteil wächst nahezu proportional zur Summe, weil Abschlussgebühr und Zinslast beide an der Bausparsumme hängen. Deine eigenen Zahlen rechnest du direkt im Bausparfinanzierungscheck durch, aktuelle Marktzinsen stehen auf Aktuelle Bauzinsen.

Ein Hinweis zur Einordnung: In unserer ausführlichen Bauspar-Rechnung rechnen wir dasselbe Szenario mit einem günstigeren Vorausdarlehenszins von 3,60 Prozent. Der Nachteil fällt dort kleiner aus. Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt genau die Stellschraube, auf die es ankommt: Je höher der Zins des Vorausdarlehens, desto teurer die tilgungsfreie Phase.

Welche Nachteile hat ein Riester-Bausparvertrag?

Ein Riester-Bausparvertrag, auch Wohn-Riester genannt, bringt zusätzlich zu den üblichen Bauspar-Nachteilen eine nachgelagerte Besteuerung und eine dauerhafte Bindung an die selbst genutzte Wohnimmobilie mit. Die Förderung ist real, sie funktioniert aber wie ein Vorschuss, den du im Alter anteilig zurückzahlst.

Bevor du unterschreibst, solltest du diese Punkte kennen:

  • Die geförderten Beträge werden im Wohnförderkonto erfasst und im Ruhestand versteuert. Was heute an Zulagen und Steuervorteilen ankommt, holt sich das Finanzamt später anteilig zurück.
  • Die Immobilie muss selbst genutzt werden. Ziehst du dauerhaft aus oder verkaufst du, wird die Förderung rückabgewickelt, sofern du sie nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen in eine neue selbst genutzte Immobilie überführst.
  • Der Vertrag ist unbeweglicher als ein normaler Bausparvertrag. Anbieterwechsel, Kündigung und eine Verwendung außerhalb des selbst genutzten Wohneigentums sind an enge Regeln geknüpft.

Wer die Förderung sicher ausschöpft und die Immobilie ohnehin bis ins Alter selbst bewohnt, kann damit gut fahren. Wer sich diese Bindung nicht zutraut, sollte die Förderung nicht zum Hauptargument für einen Bausparvertrag machen.

Welche Vorteile hat ein Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag hat drei belastbare Vorteile: einen über Jahrzehnte festgeschriebenen Darlehenszins, staatliche Förderung für Sparer unterhalb der Einkommensgrenze und günstige Konditionen bei kleinen Darlehenssummen. Der dritte Punkt wird am häufigsten übersehen und ist der stichhaltigste.

Der Grund: Für ein klassisches Baudarlehen bekommst du die günstigen Baufinanzierungszinsen bei vielen Banken erst ab rund 50.000 Euro Kreditsumme. Darunter bieten sie einen Konsumentenkredit an, dessen Zins laut Verbraucherzentrale meist 2 bis 4 Prozentpunkte pro Jahr höher liegt. Beim Bauspardarlehen spielt die Höhe keine Rolle. Für eine geplante Modernisierung von 20.000 oder 40.000 Euro in einigen Jahren ist das ein echter Vorteil.

Dazu kommt die Zinssicherheit. Der Bauspardarlehenszins steht bei Vertragsabschluss fest und gilt unabhängig davon, wo der Markt in zehn oder fünfzehn Jahren steht. Wer einen sehr langen Planungshorizont braucht, kauft sich genau das ein, allerdings mit den Kosten dieses Artikels als Preis.

In der Beratung trennen wir deshalb konsequent nach Zeitpunkt. Die Vorteile wirken in der Darlehensphase, die Nachteile in der Sparphase. Wer das Darlehen am Ende gar nicht abruft, hat nur die Nachteile bezahlt.

Ist ein Bausparvertrag 2026 noch sinnvoll?

Sinnvoll ist ein Bausparvertrag 2026 vor allem für planbare Modernisierungen in sechs bis acht Jahren mit einem Bedarf bis rund 50.000 Euro und für Sparer, die die Wohnungsbauprämie tatsächlich bekommen. Für die sofortige Finanzierung eines Eigenheims ist er nach unseren Rechenbeispielen in den meisten Fällen teurer als ein klassisches Annuitätendarlehen.

Die vollständige Abwägung mit allen Konstellationen, inklusive der Frage, ab welchem erwarteten Anschlusszins sich das Bild dreht, steht in „Bausparen sinnvoll? Die ehrliche Rechnung“.

Was ist besser als ein Bausparvertrag?

Für die meisten Käufer mit sofortigem Finanzierungsbedarf ist ein klassisches Annuitätendarlehen mit langer Zinsbindung die günstigere Alternative zum Bausparvertrag. Drei Wege kommen praktisch infrage:

  • Annuitätendarlehen mit 15 bis 20 Jahren Zinsbindung. Du bekommst Zinssicherheit ohne Vorfinanzierungsnachteil und tilgst ab dem ersten Monat. Rechnen kannst du das im Finanzierungsrechner.
  • Forward-Darlehen für eine laufende Finanzierung. Damit sicherst du dir den Anschlusszins Jahre im Voraus, ohne zwei Verträge aneinanderzukoppeln.
  • Bausparvertrag und Baufinanzierung getrennt halten. Klassisch finanzieren und den Bausparvertrag ausschließlich für eine spätere, planbare Modernisierung nutzen, statt ihn in eine Sofortfinanzierung einzubauen.

Willst du Vermögen für eine spätere Immobilie aufbauen, raten die Verbraucherzentralen ausdrücklich zu rentableren Anlageformen als dem Bausparvertrag. Und beim Angebotsvergleich zählt der Gesamteffektivzins über die volle Laufzeit, nicht der beworbene Bauspardarlehenszins.

Bausparvertrag Nachteile im Video erklärt

Salomon Davin rechnet die Bausparvorfinanzierung im Video Schritt für Schritt im Bausparfinanzierungscheck durch: welche Zinssätze du einträgst, warum die Abschlussgebühr und die Vorfinanzierungszinsen den Ausschlag geben und wie aus 300.000 Euro Finanzierungssumme fast 40.000 Euro Nachteil werden.

Häufig gestellte Fragen zu Bausparvertrag-Nachteilen

Was ist der größte Nachteil eines Bausparvertrags?

Der größte Nachteil ist die Kombination aus Abschlussgebühr und Mini-Guthabenzins in der Sparphase, weil beide zusammen über Jahre eine negative Rendite ergeben. Bei einer Sofortfinanzierung ist die tilgungsfreie Vorfinanzierungsphase der teuerste Punkt, in unserem Beispiel 39.897 Euro bei 300.000 Euro Bausparsumme.

Wie hoch ist die Abschlussgebühr beim Bausparvertrag?

Die Abschlussgebühr liegt laut Verbraucherzentrale je nach Anbieter zwischen 1,0 und 1,6 Prozent der Bausparsumme und wird einmalig fällig, meist verrechnet mit den ersten Sparraten (Stand 10.11.2025).

Was passiert, wenn der Bausparvertrag nicht rechtzeitig zugeteilt wird?

Dann ist laut Verbraucherzentrale meist eine teure Zwischenfinanzierung nötig, bis die Zuteilung tatsächlich erfolgt, zu dann aktuellen und heute nicht bekannten Zinskonditionen. Vermeiden lässt sich das nur mit einem Zins, der ausdrücklich fest bis zur Zuteilung vereinbart ist (Stand 07.05.2024).

Kann ich einen Bausparvertrag vorzeitig kündigen?

Ja, kündigen kannst du grundsätzlich jederzeit, verlierst dabei aber die Abschlussgebühr und in der Regel die staatliche Förderung. Umgekehrt darf auch die Bausparkasse kündigen, laut Bundesgerichtshof zehn Jahre nach Zuteilung.

Lohnt sich ein Bausparvertrag wegen der Wohnungsbauprämie trotzdem?

Für Förderberechtigte gleicht die Prämie einen Teil des niedrigen Guthabenzinses aus. Die Prämie beträgt nach § 3 Abs. 1 WoPG 10 Prozent der Aufwendungen auf höchstens 700 Euro im Jahr, bei Ehegatten 1.400 Euro, und die Einkommensgrenze liegt bei 35.000 beziehungsweise 70.000 Euro zu versteuerndem Einkommen. An den Nachteilen der Vorfinanzierungsphase ändert sie nichts.

Was ist besser, Bausparvertrag oder Annuitätendarlehen?

Für eine sofortige Finanzierung ist in unseren Rechenbeispielen das Annuitätendarlehen günstiger, weil es ab dem ersten Monat tilgt. Der Bausparvertrag spielt seine Stärke bei kleinen, planbaren Summen für eine spätere Modernisierung aus.

Ist ein Bausparvertrag als Geldanlage sinnvoll?

Als reine Geldanlage nein. Bei 0,1 Prozent Guthabenzins und 1,0 bis 1,6 Prozent Abschlussgebühr ist die Rendite in der Sparphase laut Verbraucherzentrale meist negativ, ohne staatliche Förderung durchgehend.

Risikohinweise

Drei Punkte gelten für jede Bausparvorfinanzierung, unabhängig vom Anbieter:

  • Zuteilungstermin nicht garantiert: Die tatsächliche Zuteilung des Bauspardarlehens hängt von Bewertungszahl, Tarifbedingungen und Zuteilungsmasse der Bausparkasse ab. Eine verbindliche Zusage gibt es in der Regel nicht.
  • Anschlusszins ist eine Annahme: Der Zins nach Ende der Zinsbindung ist heute nicht bekannt. Er kann höher oder niedriger liegen und verändert das Ergebnis beider Varianten.
  • Beispielrechnungen sind keine Angebote: Die Zahlen in diesem Artikel gelten für die genannten Konditionen. Deine eigenen Tarifbedingungen können abweichen, verbindlich ist allein das Angebot deiner Bank oder Bausparkasse.

Dieser Artikel ist eine Einordnung und ersetzt keine individuelle Beratung. Baufivergleich.de vermittelt Immobilienfinanzierungen als Immobiliardarlehensvermittler nach § 34i GewO und vergleicht dafür Angebote von über 600 Banken.

Quellen und weiterführende Informationen

Bild von Salomon Davin

Salomon Davin

Diplom-Kaufmann, Geschäftsführer und Berater bei Baufivergleich.de in Kassel. Lizenzen nach § 34i und § 34c GewO, zertifizierter Immobilienverwalter IHK. Über 20 Jahre Immobilienerfahrung, davor 14 Jahre bei einer deutschen Großbank in Baufinanzierungsberatung und Kreditentscheidung, 11 Jahre davon als Team- und Filialleiter.

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